NZZ-KMU-Barometer 2026: Nicht Trump oder der Franken bremsen KMU – sondern zögerliche Entscheidungen
Das grösste Risiko für Schweizer KMU ist nicht Trump, der starke Franken oder die Regulierung, sondern dass sie wichtige Entscheidungen zu lange aufschieben

Das NZZ-KMU-Barometer 2026 zeigt: Operative Resilienz ist stark, strategische Erneuerung stockt. Für Unternehmer, die Wachstum oder Nachfolge planen, ist Abwarten die teuerste Option.
Geopolitik, Trump-Zölle, Regulierungsdruck, Frankenstärke. Die Sorgen der Schweizer Unternehmer sind real und im NZZ-KMU-Barometer 2026 klar dokumentiert. Der Gesamtindex ist auf den tiefsten Stand seit 2021 gefallen. Doch wer die Daten genau liest, erkennt das eigentliche Problem: Nicht die äusseren Schocks lähmen Schweizer KMU. Es ist die verzögerte Reaktion darauf.
Investitionen werden aufgeschoben: mit Folgen
Das Barometer zeigt bemerkenswert resiliente Unternehmen im Krisenhandwerk. 82% bezeichnen sich als operativ resilient. Sie reagieren schnell, fällen pragmatische Entscheide, halten die Maschinen am Laufen.
Aber strategisch? Gut zwei von fünf Unternehmen würden für eine grundlegende Anpassung ihres Geschäftsmodells mehr als 12 Monate benötigen. Marktentwicklung und Innovation seien laut einem Viertel der Befragten in den vergangenen Krisenperioden zu kurz gekommen. Was das konkret bedeutet: Expansionsprojekte werden verschoben. Digitalisierungsvorhaben bleiben in der Schublade. Nachfolgeregelungen werden auf «irgendwann» vertagt. Und jedes Jahr erhöht den Aufholbedarf.
«Wir müssen lernen, auf Sicht zu fahren — und trotzdem vorwärtsgehen.» Nabil Francis, CEO Felco, NZZ-KMU-Barometer 2026
Die finanzielle Realität dahinter
Ein Teil der Entscheidungsverzögerung hat einen handfesten Grund: die finanzielle Ausgangslage. Nicht alle Schweizer KMU verfügen über ein Polster, das strategische Investitionen aus eigener Kraft erlaubt.
Das ist kein Versagen, es ist eine strukturelle Realität von inhabergeführten Unternehmen. Kapital, Management-Kapazität und strategische Energie sind begrenzt. Irgendwann stösst man an eine Grenze, die man alleine nicht überwindet. Genau hier kommt ein unternehmerischer Partner ins Spiel.
Wann ein Wachstumspartner mehr bringt als Eigenfinanzierung
Ein externer Partner bringt nicht nur Kapital. Er bringt strategische Kapazität, ein Netzwerk und operative Erfahrung aus vergleichbaren Wachstumssituationen – und er trägt das Risiko mit. Das verändert die Dynamik grundlegend.
Was wir von Unternehmern immer wieder hören: Strategische Fragen werden intern kaum auf Augenhöhe diskutiert. Man ist auf sich alleine gestellt – oder umgeben von Menschen, die operativ denken, aber nicht strategisch herausfordern. Gleichzeitig scheuen viele Eigentümer gewisse Risiken, die das Unternehmen eigentlich eingehen müsste. Das ist menschlich verständlich – aber manchmal nicht im Sinne des Unternehmens.
Genau hier setzen wir an. Arnia Partners bringt eine fundierte Aussensicht ein, hilft die Strategie zu schärfen und gemeinsam mit den Unternehmern umzusetzen. Bei einem Teilverkauf lässt sich zudem das finanzielle Risiko reduzieren – und gleichzeitig wieder mehr unternehmerischer Spielraum gewinnen.
Was das konkret bedeutet, zeigen unsere Portfoliounternehmen
Bei CMI haben wir eine aktive Vorwärtsstrategie mitgestaltet, mehrere Zukäufe begleitet und das Thema KI frühzeitig angegangen. Bei Econetta hat ein Management-Team den Schritt in die Selbständigkeit gewagt – mit einem Carve-Out aus einem Konzern und der Freiheit, Marktchancen agil zu nutzen. Die Klinik Teufen Group hatte ein überzeugendes Konzept, aber nicht die Kapazität für geografische Expansion – 2025 haben wir gemeinsam einen neuen Standort in Zürich eröffnet. Und Complemedia wollte die nächste Wachstumsphase aktiv angehen: in der Schweiz und darüber hinaus.
In allen Fällen war das Umfeld dasselbe wie heute. Wir haben uns gemeinsam entschieden, aktiv zu gestalten – statt abzuwarten.
Was das für KMUs bedeutet
Das KMU-Barometer zeigt ein Umfeld unter Druck. Es zeigt aber auch: Wer operativ gut aufgestellt ist und strategisch handelt, hat eine solide Ausgangslage – für Wachstum, für Expansion, oder für eine geordnete Nachfolge. Die Frage ist nicht ob man handeln soll, sondern wann und mit wem.
Weil Zahlen manchmal mehr sagen als Worte – hier einige Resultate des NZZ-KMU-Barometers 2026 grafisch illustriert:
Der Gesamtindex des NZZ-KMU-Barometers 2026 erreicht mit –7.3 den tiefsten Stand seit 2021 – schlechter als auf dem Höhepunkt der Zollkrise 2022.

Die eigene wirtschaftliche Situation zeigt sogar den tiefsten Wert seit Beginn der Erhebung des NZZ-KMU-Barometers.

Es zeigt sich, dass nicht alle Unternehmen schnell genug grundlegende Anpassungen vornehmen können, um starke Schocks ohne Reibungsverluste
abzufedern, es gibt folglich deutliche Unterschiede bezüglich der strategischen Agilität. 43 % der Unternehmen würden für eine grundlegende Anpassung ihres Geschäftsmodells mindestens ein Jahr benötigen, nur 27 % trauen sich dies innerhalb von sechs Monaten zu.

